Aktuelles

Verbandsliga 2016/17 Rde. 4:
Überraschungscoup in Weidenau!

Oh je, die Leiden des Käpt’n vor diesem Mannschaftskampf wurden immer größer, denn mit Maik Naundorf und Michael Bornemann fehlten gleich zwei starke Stammspieler.


Die Suche nach Ersatz gestaltete sich schwierig. Unter den insgesamt acht angesprochenen Leuten erklärten sich aber schließlich Bernd Nolte und Michael Kanders bereit, gegen das ziemlich deutlich favorisierte Team des SV Weidenau/Geisweid anzutreten. Der Durchschnitt der Wertungszahlen sah den Gastgeber mit 34 Punkten pro Brett klar vorne. Im Hinterkopf hatten wir zudem noch die bittere 2:6-Niederlage aus dem Vorjahr, wir fuhren mit entsprechendem Respekt ins Siegerland.

Doch manchmal spielt es sich einfach unbeschwerter, wenn man quasi nichts zu verlieren hat. So zeigten sich z.B. unsere beiden Reservespieler unerschrocken, ja fast trotzig ob der schweren Herausforderung und auch wir übrigen reisten gut gelaunt gen Süden.

Zur Chronologie: Nach nur kurzer Zeit einigten sich an Brett 3 Tom Kebbekus und Uwe Eckardt auf die Punkteteilung. Nicht viel später fand Peter Pinnel den richtigen Weg aus einer etwas gedrückten Stellung, stabilisierte diese und nahm das Remisgebot von Manfred Schneider an. 1:1 nach rund 90 Minuten – das sah schon mal gar nicht so schlecht aus.

Ebenfalls alles andere als übel für uns verlief die Partie an Tisch 8 zwischen Michael Kanders und Frank Mickisch. Michael freute sich im Vorfeld regelrecht auf einen Gegner mit einer DWZ von 1850 oder besser – hat er doch erst drei Tage zuvor in der Vereinsmeisterschaft gegen Rolf Weber (1882) einen halben Punkt erzielt. Wie schon oft erlebt bot Michael einen oder gar zwei Bauern an, um dafür jedoch „speed“ zu erhalten. Frank verschmähte beide Angebote und so verflachte die Partie ein wenig. Taktisch klug bot Michael nach 20 Zügen Remis, was Frank fast schon dankbar annahm. Für uns ein wichtiger Schritt in Richtung Vermeidung einer hohen Niederlage.

Die Stellung auf Brett 7 war schwer einzuschätzen, denn obwohl Bernd Nolte seinen Gegner ziemlich gut eingeschnürt hatte, drohte dieser doch mit Figurengewinn. Bernd war das recht schnuppe, er hatte ein klares Angriffsziel im Visier und rückte dem König unbeirrt auf die Pelle. Es gab schließlich keine Verteidigung mehr gegen das drohende Matt. Bernd ging als jubelnder Sieger aus der Partie hervor.

Somit haben die Ersatzspieler 1,5 Punkte geholt und waren eine echte Verstärkung für die Mannschaft.

Bei Ralf Klinkmann am vierten Brett entbrannte ein heftiges Gefecht um die bessere Position. Ralf konnte zwar seine Leichtfiguren gut im Zentrum platzieren, doch seine Dame musste sich um einen gefährlichen Freibauern kümmern. Als schließlich ein Läufer abhanden zu kommen drohte, musste Ralf aufgeben.

Die ersten beiden Bretter „brannten“ förmlich. Da die meisten anderen Partien bereits beendet waren, verfolgte eine große Menschentraube gespannt die Zeitnotphase. Georg Krug am Spitzenbrett stand aktiver und hatte zudem einen Bauern gewonnen. Allerdings war seine Königsstellung etwas „luftig“, der Ausgang der Partie war längst nicht absehbar. Georg attackierte mit dem Turm die gegnerische Dame, allerdings leider von der Seite anstatt dies auf der h-Linie zu tun, was ihm großen Vorteil gesichert hätte. Nun gut, es war eine Ungenauigkeit, aber noch nicht der Verlustzug. Dieser kam kurze Zeit später, als Georg ein vermeintliches Grundreihenmatt entdeckte, welches aber keines war. Stattdessen konnte Johannes Karthäuser einzügig die Dame schlagen. Völlig konsterniert gab Georg sofort auf.

Besser hat da schon Holger Bubolz gerechnet. Auch er gab seine Dame her, allerdings wohlüberlegt und vollkommen berechtigt. Michael Meinhardt musste sich in der Folge nämlich mit einem Freibauern auf der a-Linie herumplagen, was ihm aber nicht mehr gelingen konnte. Unterstützt von dem Läuferpaar und von hinten durch den Turm gedeckt, wäre die Umwandlung nur noch unter großem Materialverlust vermeidbar gewesen. Michael resignierte – und es stand 3,5:3,5.

Die letzte Partie neigte sich währenddessen auch dem Ende zu. Zwischenzeitlich war sie turbulent. Rolf Weber hatte es mit Andreas Piskorz zu tun. Der Weidenauer spielte aggressiv und unkonventionell – wie bereits in der Vorsaison, als er in der gleichen Begegnung als Sieger hervorgegangen war.

Rolf sah sich großem Druck ausgesetzt und verlor dann auch die Übersicht, als Andreas einen Springer bedrohlich nahe zum König, nämlich nach f3 brachte. Allerdings war es ein nur optisch (und psychologisch) starker Zug, objektiv war er aber fehlerhaft und hätte großen Materialverlust nach sich ziehen können. Rolf verpasste diese Chance und entschloss sich zu einem zwar spektakulären, aber eben falschen Damenopfer. Er verfügte danach über Turm + Läufer gegen die Dame, die jedoch abseits stand. Eine schnelle Zentralisierung und Aktivierung derselben hätte Andreas Vorteil verschafft, aber nun wechselte der psychologische Druck die Seite. Offenbar schätzten beide die Stellung nicht richtig ein – zum Glück sitzen sich hier aber zwei Menschen gegenüber und keine nervenlosen Computer. Rolf fühlte sich pudelwohl, Andreas hingegen sichtlich unbehaglich. Und so kam es, dass der Weidenauer nicht die besten Züge, Rolf aber immer mehr Freude am Spiel und letztlich auch starke Fortsetzungen fand. Der weiße e-Bauer stand lange Zeit auf e5, wo er tabu war, aber auch nicht vorrücken konnte. Nachdem Rolf mit dem Läufer ebenfalls Drohungen aufstellte, wurde der Weg des Bauern bis nach e7 frei. Die Umwandlung ließ sich Andreas nicht mehr zeigen.

Mit diesem 4,5:3,5-Erfolg haben wir nicht nur die Wiederholung der derben Klatsche des Vorjahres vermieden, sondern sehr überraschend beide Punkte entführt. Die Tabelle sieht nach dem Spieltag kurios und bemerkenswert aus: Vorne befinden sich im Abstand von jeweils einem Punkt fünf Teams – angeführt von Sundern mit 8:0, wir belegen Platz 2! - dahinter befinden sich die restlichen fünf Mannschaften im Abstiegskampf, denn alle weisen nur zwei Zähler auf!

In der nächsten Runde empfangen wir eine davon: Die Schachfreunde aus Schwerte sind zu Gast im Bürgerhaus. Die Tabelle lügt zwar nicht, aber Vorsicht ist geboten, denn ein angeschlagener Boxer kämpft umso verbissener und außerdem weiß man bei den Schwertern nie so recht ...